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Paddler aus Potsdam bestimmen seit 50 Jahren das Geschehen an der Weltspitze mit

(de)

POTSDAM - Im Frühjahr 1963 beginnt die Ära des KC Potsdam im Luftschiffhafen. „Seit 1960 gab es beim Armeesportklub Leipzig eine junge Truppe, die nach ordentlichen Trainingsbedingungen suchte. An der Pleiße gab es die nicht“, erzählt Olympiasieger Jürgen Eschert. Der damalige Mannschaftsleiter Peter Schüßler und Cheftrainer Helmut Zensler waren davon überzeugt, in Potsdam auf dem Templiner See bessere Trainingsmöglichkeiten vorzufinden. Zu den Sportlern der ersten Stunde in Potsdam zählten neben Eschert, Alfons Förster, Ekkehard Berg, Wilfried Mittelstädt, Achim Wenat, Norbert Friedrich und Gerhard Mohs.

Bereits im ersten Jahr qualifizierten sich sieben Sportler aus Potsdam für die Weltmeisterschaften. Ein Jahr später folgte der erste große internationale Erfolg. Der knapp 23-jährige Jürgen Eschert errang bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio die Goldmedaille im Einer-Canadier über 1000 Meter. Das war die erste olympische Goldmedaille für einen Potsdamer Sportverein. Den ersten Weltmeistertitel für den ASK Potsdam gewann übrigens 1971 in Belgrad der Kajakfahrer Reiner Kurth im Zweierkajak über 1000m. Es folgten viele, viele Goldmedaillen, so durch die Ausnahmekanutin Birgit Fischer, die 1980 in Moskau zu ihrem ersten von insgesamt acht Olympiasiegen paddelte.

Schwierige Übergangsphase Anfang der 90er Jahre

Nach der politischen Wende folgte am 27. September 1990 die Auflösung des Armeesportklubs (ASK) Potsdam und dessen Überführung in den neu gegründeten Olympischen Sportclub (OSC) Potsdam Luftschiffhafen. Die leistungssportliche Entwicklung war indes durch Trainerentlassungen und fehlende Unterstützung der Athleten bedroht. Nicht nur Spitzenathleten, sondern auch hoffnungsvolle Nachwuchstalente wechselten in andere Vereine, die ihnen beispielsweise eine berufliche Perspektive in Aussicht stellten.

Jene Misere spiegelte sich auch in den Ergebnissen wider. So erfreulich der zweite Platz in der Vereinswertung bei den ersten gemeinsamen deutschen Meisterschaften 1991 in Hamburg auf den ersten Blick aussah, tat er den Potsdamern doch etwas weh. Denn sechs Meistertitel anderer Vereine wurden von Sportlern errungen, die noch Wochen zuvor für den OSC Potsdam paddelten.


Birgit Fischer startet sensationelles Comeback

Dennoch gaben die Kanu-Enthusiasten im Luftschiffhafen um Manfred Glöckner, Manfred Schubert, Rolf-Dieter Amend, Ralph Welke, Olaf Reppich und Jürgen Eschert nicht auf. Im Jahr 1992 wurde an der Havel ein Bundesstützpunkt des Deutschen Kanu-Verbandes und einer von sechs Landesstützpunkten des Landes-Kanu-Verbandes Brandenburg etabliert. Infolge der Fusion mit den Kanuten der SG Geltow am 26. Februar 1992 wurde die bisherige Kanuabteilung des OSC Potsdam in Kanu-Club Potsdam im OSC umbenannt. Die Geltower hatten bislang eine Reihe von Talenten im Jugend- und Schülerbereich herangebildet. So die später weltweit erfolgreiche Katrin Wagner-Augustin.

Die Aufbruchstimmung des Jahres 1992 war auch dadurch gekennzeichnet, dass Birgit Schmidt (später Fischer) nach vierjähriger Wettkampfpause wieder zum Paddel griff und mit Kay Bluhm/Torsten Gutsche das erfolgreiche Kajakduo aus Berlin in den Potsdamer Luftschiffhafen zurückkehrte. Alle drei wurden in Barcelona Olympiasieger.

Großen Anteil an der sportlichen Entwicklung leistete der von Jürgen Eschert und Jürgen Linde am 16. Dezember 1996 ins Leben gerufene Förderkreis des KC Potsdam, der im Februar 2001 in den Förderverein umgewandelt wurde.

Dem Kanu-Rennsport wurde jetzt eine größere finanzielle Unterstützung gewährt. Aber auch die Förderung des Breitensports und die Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Geschehen des Kanusports war ein Anliegen des Fördervereins. Hier sei nur an die 1997 erstmals in Potsdam veranstalteten und jährlich wiederholten Wasserspiele erinnert, die nicht nur wegen der Teilnahme zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Institutionen und Schulen ein großes Echo bei der Bevölkerung fanden. Auch der 2005 ins Leben gerufene und seitdem jährlich ausgetragene Kanalsprint in der Potsdamer Innenstadt hat sich zu einem Zuschauermagneten erster Güte entwickelt.

Schließlich ist es auch der Initiative von Jürgen Eschert und den jahrelangen Anstrengungen des Fördervereins zu verdanken, dass nach der Grundsteinlegung im Juni 2010 Ende 2012 die so genannte „Kanuscheune“ den Mitgliedern des KC Potsdam als Heim- und Begegnungsstätte übergeben werden konnte.

Im 50. Jahr seiner Existenz auf dem Areal des Luftschiffhafens kann der KC Potsdam im OSC auf 119 internationale Titel, darunter 17 olympische Goldmedaillen sowie 102 Siege bei Welt- und Europameisterschaften, verweisen. Zu den leistungsstärksten Rennpaddlern zählen Ausnahmesportler wie die Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister Birgit Fischer, Torsten Gutsche, Kay Bluhm, Ulrich Papke, Katrin Wagner-Augustin, Manuela Mucke, Fanny Fischer, Tim Wieskötter und Ronald Rauhe. Andere stehen bereit, in die Fußstapfen ihrer Vorbilder zu treten. So die Olympiasieger von London Franziska Weber, Sebastian Brendel, Kurt Kuschela und Peter Kretschmer.

Auf nationaler Ebene sind die Potsdamer Rennpaddler stets im Spitzenfeld zu finden. Seit 1991 holten die Potsdamer Athleten bei deutschen Meisterschaften knapp 1000 Medaillen (402 mal Gold, 301 mal Silber und 272 mal Bronze).

Mit den wachsenden Erfolgen der Potsdamer Kanuten entwickelte sich gleichfalls deren Wahrnehmung und Anerkennung in der Öffentlichkeit, denn keine Sportart im Land Brandenburg kann auf derartige Ergebnisse bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften verweisen wie der Kanu-Rennsport. Das spiegelt sich auch in den Resultaten der jährlichen Sportlerumfragen wider. Stets waren die Potsdamer Rennkanuten im Vorderfeld der Umfrageergebnisse zu finden und bei der 21. Umfrage im Jahr 2012 belegten sie gar in allen drei Kategorien die ersten Plätze. Das war bis jetzt einmalig.

Die sportlichen Erfolge für den KC Potsdam sind weder ein Zufallsprodukt, noch stellten sie sich im Selbstlauf ein. Vielmehr sind sie das Ergebnis einer gut organisierten Nachwuchsarbeit, der engagierten Tätigkeit des Trainerteams und der Sportlereltern sowie der Unterstützung durch die Sportverbände und Förderer.


Arbeit mit Talenten bleibt das A und O

Vor allem auf die Gewinnung und Heranbildung von Paddeltalenten wurde stets großer Wert gelegt. Ehemals erfolgreiche Kanuten, wie die Kanuslalom-Spezialisten Manfred Glöckner und Manfred Schubert sowie später Rolf-Dieter Amend, führten als Trainer viele Nachwuchskanuten aus dem Jugend- und Juniorenbereich bald bis in die Weltspitze.

Diese systematische Arbeit mit dem Nachwuchs wurde bis heute in enger Zusammenarbeit mit den anderen Kanuvereinen des Landes Brandenburg und im Zusammenwirken mit der Potsdamer Sportschule Friedrich Ludwig Jahn fortgesetzt. Für seine Talentförderung wurde der KC Potsdam bereits dreimal mit dem „Grünen Band“ der Commerzbank und des DOSB ausgezeichnet. (Von Günter Welke)

Source: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12489110/60719/Paddler-aus-Potsdam-bestimmen-seit-Jahren-das-Geschehen.html